Professionelles Arbeiten mit Opensource-Software? Aber klar!

Als Journalist(in) kann man eine Menge Geld für die Computerausstattung und die benötigte Software ausgeben. Gerade bei den Anwenderprogrammen können Sie ihr Budget deutlich entlasten – OpenSource-Software (OSS) befriedigt auch professionelle Ansprüche und bietet eine große Palette an Programmen. Auch Datenformate sind kein Problem: die gängigen Textverarbeitungen lesen ".doc"-Dateien und exportieren sie, Sound- und Grafikprogramme beherrschen die Standardformate und warten mit professionellen und komfortablen Werkzeugen auf.
Bevor Sie also das teure Officepakete eines großen Herstellers aus Redmond kaufen, oder bei Ebay verdächtig billige "Originale" ersteigern, probieren Sie einfach OSS aus. Solange das noch möglich ist (vielen Dank an Stephan Maus). Sie gehen kein Risiko ein, denn die Kosten beschränken sich auf eine gebrannte CD oder einen Download. Kaufen können Sie immer noch.
Natürlich können Sie auch komplett auf eine Opensource-Plattform wie Linux umsteigen oder sich das System parallel zu Windows© installieren. Möchten Sie Linux ausprobieren ohne es gleich zu installieren, ist Knoppix die Lösung. Das Betriebssystem und allen Anwendungen laufen von CD und geben einen guten Überblick über die Leistungsfähigkeit des freien Unix.

Die folgenden freien Programme gibt es in der Regel für Windows©, Linux und andere Unixderivate.

The GIMP (Gnu Image Manipulation Program)

Mächtiges Bildbearbeitungsprogramm mit komfortabler Ebenenverwaltung. Umfangreiche Bearbeitungsmöglichkeiten für alle möglichen Grafikformate. Importiert Photoshopdateien. Nicht geeignet für die Druckendstufe, da keine CMYK-Unterstützung. Aber wer z.B. Bilder für Webseiten bearbeitet oder Digiprints aufhübscht, wird nichts vermissen.
www.gimp.org

OpenOffice.org

Officepaket ohne Schwächen mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation und Zeichenprogramm. Im- und exportiert MS-Office-Formate. Besonderheit: Erzeugt ohne Zusatzprogramme PDF-Dateien.
www.openoffice.org

FreePDF (Keine Opensource, aber kostenlos)

Wie verschicken Sie eigentlich Dokumente, die der Empfänger nur ansehen oder ausdrucken, nicht aber einfach verändern soll? Also beispielsweise digitale Rechnungen, aufwändig layoutete Dokumente, AGBs. Hoffentlich nicht im Dokumentenformat ihrer Textverarbeitung. Erstens können Sie so Manipulationen am Dokument nicht verhindern, zweitens setzen Sie beim Empfänger eine bestimmte (teure) Softwareausstattung voraus, die dieser möglicherweise nicht besitzt. PDF ist die Lösung und mit FreePDF können Sie diese Dokumente aus allen Anwendungen heraus über das Druckmenü erzeugen. Schnappschüsse von Webseiten sind so ebenfalls möglich. Zwar ist FreePDF kostenlos, doch kein Opensource. Beachten Sie, dass FreePDF unbedingt Ghostscript benötigt. Das wiederum Opensource ist ;-)
FreePDF – nur für Windows©. Mac und Linux erzeugen "PDF" von Haus aus.
Ghostscript – bitte lesen Sie die Hinweise auf der FreePDF-Seite, bevor Sie eine Version installieren!
Acrobat – der aktuelle Acroreader für alle denkbaren Systeme.

PDFCreator

Unbedingt empfehlenswert und 100 Prozent Open Source! Einfach zu installieren, sehr komfortabel zu benutzen. Auf der Downloadseite finden Sie zwei Versionen: eine basiert auf AFPL- die andere auf GNU-Ghostscript. Beide funktionieren sehr gut; lassen Sie sich nicht von der derzeitigen Versionsnummer 0.8 verschrecken. .
www.pdfcreator.de.vu – Informationen zum Programm und Downloadlink
Direkt zur Downloadseite – Alle Programmversionen, Sprachfiles und Quellcode zum Download.

LaTeX/TeX – Der Buchsetzer für viele Fälle

Die Domäne dieses Satzprogrammes sind wissenschaftliche Texte mit vielen, vielen Fußnoten, mathematischen, physikalischen und chemischen Notationen. Also dort, wo Programme wie MS-Word oder OpenOffice an ihre Grenzen stoßen (es gibt auch eine deutsche Übersetzung, vielen Dank an Claudia Thormann und Hannes Keil). Aber eigentlich kann man damit alle Texte gestalten, die am Ende perfekten typografischen Maßstäben genügen müssen. Nicht umsonst werden viele Bücher des Springer Verlages mit LaTeX gestaltet. Im Gegensatz zu Textprogrammen, bei denen man das Text (annähernd) so eingibt, wie er dann zu sehen ist (WYSIWYG – WhatYouSeeIsWhatYouGet), ist LaTeX eine Markup-Sprache – wozu auch HTML, die Sprache des Internets, gehört. Der Autor legt die Strukturen seines Dokumentes mit Befehlen fest, LaTeX erzeugt daraus eine druckreifes Dokument. Wer es ausprobieren möchte, kann hier eine kurze (371 KByte) oder eine  umfangreichere Anleitung (757 KByte) nachlesen. Fast schon ein professionelles Lehrbuch ersetzt die sehr schön gemachte Einführung der Fernuni Hagen. Die beiden Broschüren für Einsteiger (1,2 MByte) und für Fortgeschrittene (1,4 MByte) dürfen auch weitergegeben werden -- die Fernuni hat sie freundlicherweise als Opensource freigegeben. Auch die TeX-Collection liefert die Dokumente mit aus.
Die aktuelle TeX-Collection TeX und alles was dazugehört auf DVD: für Windows, Linux/Unix, Apple.
www.mikTeX.de – Distribution "in progress" für Windows©
teTeX – gehört zu jedem Unix (und damit auch zu Linux).
CMacTeX – ohne Apple wär's nix.
gwTeX für MacOSX – Basis der MacTeX-Distribution auf der TeX-Collection DVD.

Audacity – Soundbearbeitung ohne Kopfzerbrechen

Ob Sie kurze Beiträge schneiden müssen, ein kleines Hörspiel planen, an einem Feature basteln oder einfach nur ein paar Trailer bauen: mit Audacity haben Sie eine riesigen Werkzeugkasten mit komfortabler Oberfläche. Egal ob Windows©, Mac oder Linux, die Bedienung ist überall gleich.
Audacity für alle. Auf den Sourceforge-Seiten.

Das Böse lauert immer und überall: Verschlüsseln mit GnuPG (Gnu Privacy Guard)

Eine Email ist von der Sicherheit mit einer Postkarte zu vergleichen, denn der Inhalt bewegt sich ohne Verschlüsselung und schützenden Umschlag durchs Netz. Mit GnuPG (der freien Alternative zu PGP (Pretty Good Privacy) können Sie Emails mit einem persönlichen Schlüssel signieren und Ihre Mails für einen bestimmten Empfänger verschlüsseln. Das wird möglich weil Sie und die Empfänger sich gegenseitig Schlüssel zu Verfügung stellen. Öffnen kann die Daten nur der Besitzer dieses Schlüssels.

Funktionsweise:
Man kann das System mit einem Tresor vergleichen, der zwei Schlösser besitzt. Mit dem öffentlichen Schlüssel können Sie eine Klappe öffnen und den Brief einwerfen, der in ein unerreichbares Fach fällt. Dann rastet die Klappe ein, der Brief ist gesichert. Nur der Besitzer kann mit seinem zweiten Schlüssel den Brief aus den Tiefen des Tresors holen und lesen. So kann jeder GnuPG/PGP-Besitzer verschlüsselte Mails und Dokumente austauschen, weil jeder einen solchen "Tresor" besitzt und den öffentlichen Schlüssel allgemein zur Verfügung stellt.

Zahlreiche Mailprogramme unterstützen inzwischen die komfortable Verschlüsselung mit GnuPG. Besonders zu empfehlen ist der Opensource Mailclient Thunderbird.
GnuPG und Anleitungen – Hier gibt es GnuPG für Windows und zwei sehr gute Dokumentationen.
Gnu Privacy Projekt – Warum eigentlich Verschlüsselung?
– Die Heimatseite von GnuPG

Die wichtigsten Opensource-Programme aus den verschiedenen Anwendungsbereichen gibt es auch als Paket auf einer CD.
In Kategorien unterteilt finden Sie auf der aktuellen Version 3.0 folgende Programme:

  1. Produktivität OpenOffice, AbiWord , PDFCreator
  2. Design GIMP, TuxPaint, NVU (HTML/CSS-Editor)
  3. Internet FireFox (Browser), Thunderbird (Mailprogramm), Gaim (Chatclient)
  4. Multimedia Audacity, Celestia (3D-Simulation des Sonnensystems), Really Slick Screensavers
  5. Utilities (Hilfsprogramme) 7-Zip (Packprogramm), Notepad2 (ersetzt den Editor unter Windows, sehr leistungsfähig)
  6. Spiele Sokoban (Denkspiel), Battle for Wesnoth (Fantasy-Strategierollenspiel)
Versionsnummern der Programme und Beschreibungen entnehmen Sie bitte der OpenCD-Webseite. Dort können Sie ein Abbild als ISO-Image herunterladen und beliebig oft auf CD brennen. Dies ist vollkommen legal, denn alle Programme auf dieser CD stehen unter freien Lizenzen wie der GPL und können jederzeit kopiert und weiter verbreitet werden. Sie dürfen also von "TheOpenCD" beliebig viele Kopien an Ihre Freunde und Bekannten weitergeben, selbstverständlich gilt das auch auf die darauf enthaltenen Programme. Falls Sie keine schnellen Internetzugang haben, können Sie die Sammlung bei "Call a CD" für 4,99 € bestellen. Dort finden Sie für wenig Geld übrigens auch alle möglichen alternativen Betriebssysteme.
TheOpenCD – eine Auswahl wichtiger freier Software für Windows.

TheOpenCD: OSS-Kompilation für Windows